#87 – CROSSFIT: FAMILIENSACHE

Crossfit: Familiensache

CrossFit als Mutter-Tochter-Sport

Doreen, 47, ist Key Account Managerin und seit September 2021 Member bei CrossFit Sennestadt. Anfangs dachte sie: “‘krass, was stimmt mit euch nicht?’ – Eigentlich fand ich es ganz cool, aber ich dachte auch ‘ne, das kannste nicht machen’.” heute gehört sie fest zum Inventar und macht CrossFit zusammen mit ihrer Tochter Nele zur Familiensache.

Wie bist du auf CrossFit gekommen?

Nele war damals 13 und wurde ihrem Schulfreund Timo mit hierhergenommen. Sie hatte von Anfang an total viel Spaß während ich immer staunend in der Box stand und mich gefragt hab, was mit den Leuten eigentlich nicht stimmt, dass sie die Hanteln immer mit lautem Getöse fallen lassen. Ich habe dann sehr lange überlegt, bis ich mich schließlich überwunden hatte, Probetraining zu buchen. Das war am 16.03. 2020 und damit der erste Tag des ersten Lockdowns. Lange passierte gar nichts, weder bei mir noch bei Nele.

Wie habt ihr dann den Wiedereinstieg gefunden?

Irgendwann hatte mich dann schließlich eine Freundin überredet, mal mitzukommen. Und ich weiß nicht, wie ich das durchgestanden habe, ich wusste nichts mehr vom Workout oder von der Musik oder irgendwas. Ich habe am nächsten Tag eine E-Mail geschrieben, mich für das Training bedankt und gefragt, wie es weitergeht. Dave hat geantwortet und gefragt: „Willst du Montag anfangen?“

Und hast du es gemacht?

Ja, ich bin direkt am Montag danach zum Elements-Kurs gegangen und war die einzige. Ich hatte quasi PTs bei Coach Pippo. Da merkst du erstmal, wie unbeweglich du bist und welche Defizite du hast. 

Hast du denn vor CrossFit schon Sport gemacht?

Vorher war ich vor allem spazieren oder hatte die klassische Fitnessstudio-Karriere, bei der man zu Anfang auch recht regelmäßig hingeht. Ich habe damals immer ein Zirkeltraining absolviert, in einer Gruppe, in der ich definitiv das Durchschnittsalter gesenkt habe. Da dachte ich aber schnell, dass es das nicht sein kann, das ist nicht deins. 

Wie ging es dir am Anfang?

Ich fand es von Anfang an schon cool, hab es mir aber nicht anmerken lassen, weil ich es unbedingt durchziehen wollte. Die ersten zwei Monate waren einfach nur hart. Ich war jedes mal fix und alle als ich rausgegangen bin. 

HAt sich für dich etwas verändert, seit du CrossFit machst?

Es ändert sich ja automatisch was. Du wirst nicht nur fitter, sondern dein Körper verändert sich auch – zwar langsam, aber stetig. Und mental ändert sich unheimlich viel. Ich gehe jetzt anders durchs leben und lasse mir nicht mehr alles gefallen. wenn mir vorher jemand erzählt hätte, dass man das durch Sport erreichen kann, hätte ich es nicht geglaubt. Es war am Anfang ein unheimlicher Kampf mit mir selber, zum Workout zu erscheinen, heute stelle ich mich dem und kann das auf den Alltag übertragen.

Hast du dafür eine Strategie?

Am Anfang heißt “schaffen” hier zu erscheinen und sich der Aufgabe Workout zu stellen. Bis ich den ersten vernünftigen Squat konnte, hat es ein Jahr gedauert. Heute clustere ich das Workout für mich und nehme mir eine Bewegung vor, auf die ich mich konzentriere. Es gibt wenig Workouts, bei denen ich den Kopf ausschalte und durch ballere. Das kommt schon auch manchmal vor, aber meistens setze ich meinen Fokus auf eine Bewegung und arbeite das Workout dann Schritt für Schritt ab.

Vergleichst du dich manchmal mit anderen?

Manchmal ja, manchmal guckt man schon links und rechts, aber damit muss man einfach umgehen lernen. Und sich einfach auch die Frage stellen, ob der Vergleich Sinn macht. Andere haben einfach schon viel mehr Sport gemacht und finden sich hier schneller ein, als wenn man die letzten Jahre mit Arbeiten und Kinder erziehen verbracht hat. Aber natürlich bin ich manchmal beleidigt, wenn neue Member frisch aus den Elements-Kursen kommen und auf Anhieb fünf Pull-ups können und ich hänge da immer noch mit zwei Bändern.

Was ist hier der Unterschied zu deinem alten Fitnessstudio?

Dass ich hier so lange durchgehalten habe, liegt auch daran, dass es ein bisschen wie eine Familie ist. Man kommt hier rein und jeder kennt dich und deinen Namen. Und man fiebert miteinander mit. Neulich hat Pia von heut auf morgen Toes to Bar geschafft, da haben wir uns alle total für sie gefreut. 

Und deine Tochter Nele ist dann im letzten Jahr wieder bei CrossFit Teens eingestiegen?

Als ich dann 2021 angefangen habe, wollte sie unbedingt wieder einsteigen. Deswegen haben wir auch nicht lange gezögert, als es wieder das Teens-Angebot gab. 

Ist Crossfit jetzt Familiensache?

In erster Linie haben wir viel mehr Zeit miteinander. Auf der Fahrt zur Box und wieder zurück haben wir einfach mal Zeit, um zu quatschen. Ich arbeite Vollzeit und Nele hat mit Schule, Fahrschule und Nebenjob auch einen ziemlich eng getakteten Zeitplan. Sie hat ein straffes Programm, aber ich bin auch total stolz, wie sie das so durchzieht. Manchmal muss ich sie sogar etwas bremsen.

Möchtest du für deine Tochter ein Vorbild sein?

Na klar, das führt schon dazu, dass ich mich nicht abmelde, nur weil ich keinen Bock hab. Ich möchte ihr natürlich vorleben, dass man Ergebnisse sieht und erfolgreich ist, wenn man regelmäßig trainiert. Aber es ist auch total cool zu sehen, wie sie Fortschritte  mache und zusätzlich weckt es in mir auch einen neuen Ehrgeiz, wenn ich sehe wie einfach ihr manche Sachen fallen.

Was würdest du Leuten sagen, die nicht wissen, ob Crossfit das richtige ist?

Macht es einfach, geht hin. Es bringt euch so viel. Nicht nur aus sportlicher Sicht, sondern auch mental Veränderungen, dass man sich nicht immer alles auflädt, bewusst nein zu sagen, sich durchsetzen zu können und den Alltag für die eigenen Bedürfnisse zu priorisieren.

Beruflichen Stress kann ich durch den Sport total gut abfedern. Wenn ich früher extrem unter Druck gestanden hätte, denke ich heute, dass wir sicher eine Lösung finde.

Hier fährt keiner eine Ego-Schiene, sondern man steht hier mit ganz normalen Leuten, die auch einfach nur Sport machen wollen.


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